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Als sie
das erste Mal von dem Design-Wettbewerb hörte, war Judith Enns schon ein
wenig verwundert: „So etwas Buntes hatte ich der Kirche gar nicht zugetraut“,
gibt die 23-jährige Schülerin der Offenbacher Käthe-Kollwitz-Schule zu
und ergänzt: „Da interessiert man sich gleich, was die sonst noch so machen.“
In leuchtenden Farben strahlen die Stoffbahnen, die über 90 Schülerinnen
und sechs Schüler des Fachbereichs Textiltechnik und Bekleidung der Berufsfachschule
bearbeiten. Werbeprodukte für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
sollen es werden, die Kirchenleuten auf dem Hessentag in Dietzenbach ein
erkennbares „Outfit“ verleihen. Aus 100 Entwürfen schneiderten die Offenbacher
35 „Prototypen“ – von Handyetuis über Patchwork-Handtaschen, Krawatten,
Gürtel, Pantoffel bis hin zu Kostümen. Farbenfrohe Textilien, die Hessentagsbesucher
nicht nur bestaunen, sondern auch käuflich erwerben sollen. Drei
Prototypen belohnte eine Jury Ende Februar 2001 mit Prämien von 100 bis
300 Mark: ein Regencape, ein Damen-T-Shirt und eine Herrenjacke. Initiator der Aktion ist Pfarrer Wolfgang H. Weinrich. Mit dem Projekt „LebensArt“ möchte er die Evangelische Kirche „ganz bewusst in der Öffentlichkeit inszenieren“. Markenzeichen ist das „Facettenkreuz“ in den knalligen Farben, das alle Entwürfe der jungen Gestalter ziert. Lehrerin Ute Pohl hat während des Wettbewerbs eine „ganz neue Stimmung beim Arbeiten“ ausgemacht. „Es war unglaublich schwer zu entscheiden, welche Entwürfe wir umsetzen“, lobt die Projektleiterin die Qualität. Auch Schulleiter Gerd Müller freut sich über die Zusammenarbeit mit „LebensArt“. „Die Schülerinnen und Schüler arbeiten wie im Berufsleben auf einen Termin hin – das motiviert sie zusätzlich.“ Cosima Rönsch, 17, indes ist vor allem begeistert, dass sie „Dinge entwerfen und umsetzen kann, die in der Schule nicht zum Alltag gehören“. Die hervorragende Kooperation zwischen den verschiedenen Klassen sei, wie Uta Pohl betont, zudem ein positiver Effekt gewesen. Als besondere Herausforderung empfand es die Lehrerin, dass zahlreiche Jugendliche anderer Religionen, wie etwa Muslime, an den Entwürfen für die Evangelische Kirche arbeiteten. Für viele sei das am Anfang nicht einfach gewesen, erinnert sich die Pädagogin und ergänzt: „Das bot einen guten Anlass zu thematisieren, wie man später im Berufsleben mit den unterschiedlichen Kulturen umgehen kann.“
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Jörn Dietze, Fotos: Daniel Kilian, EKHN |
erschienen in echt, 1. Quartal 2001 Copyright by EKHN, Darmstadt |