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Hans Eichels Karriere vom Gymnasiallehrer zum Bundesfinanzminister begann in Kassel und führte ihn über Wiesbaden nach Berlin. Am Heiligabend des Jahres 1941 geboren, wurde er mit 33 Jahren Oberbürgermeister seiner Heimatstadt und kooperierte 1981 als erster Großstadt-OB mit den GRÜNEN. Von 1991 an war er zehn Jahre Ministerpräsident des Landes Hessen. |
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Der Wert „Geld“ hat sich gewandelt. Es ist einerseits knapp, andererseits gewinnen irrwitzig hohe Summen immer mehr an Bedeutung und Aktien oder Fonds sind interessant für viele Menschen. Woran liegt das? . Nein, Sparsamkeit ist kein Wert für sich alleine. Der Wert ist soziale Gerechtigkeit. Und die muss immer auch die Dimension der Zukunft einbeziehen, also auch unsere Kinder und Enkel. Deswegen ist für mich das Sparen nur vor dem Hintergrund zu begreifen, dass wir damit verhindern, Lasten auf künftige Generationen abzuwälzen. A propos Generationen: Welche Bedeutung haben für Sie die herkömmlichen Erziehungsinstanzen? Ich finde es schade, dass die klassischen Instanzen wie Familie, Kirchen, Vereine immer mehr an Anziehungskraft verlieren. Sie sorgen für Stabilität und einen Ausgleich von Wertvorstellungen. Man kann jedoch seine eigene Freiheit immer nur im Kontext mit anderen leben. Das heißt, dass es ein System von Freiheit und Abhängigkeit, von Rechten und Pflichten gibt. Gibt es Werte, die heute für Sie eine größere Bedeutung haben als früher? Der höchste Wert ist für mich Menschlichkeit. Denn Menschen müssen als Menschen behandelt werden, egal ob sie arm oder reich sind, ganz gleich welche Religion oder Hautfarbe sie haben. Diese Einstellung hat sich bei mir nie geändert. War das die Botschaft Ihres Elternhauses? Ja, hier bin ich von meinen Eltern sehr geprägt worden. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Mein Vater war selbständiger Architekt und hat sich als Treuhänder seiner Bauherren gefühlt. Dabei kam es weniger darauf an, nur Gewinn zu machen, sondern im Vordergrund stand für ihn, eine Leistung zu liefern, für die in der Honorarordnung ein vorgesehenes Entgelt zu erwarten war. Eine Rolle spielte außerdem, für einen Bauherren so kostengünstig wie möglich zu bauen und nicht nur an einen maximalen Gewinnertrag zu denken. Auch für meine Tätigkeit als Finanzminister konnte ich wichtige Ansichten aus meinem Elternhaus mitnehmen. Man denke nur an die Erfahrung von zwei Inflationen in Deutschland, die meine Großeltern- und Elterngeneration geprägt haben. Als Konsequenz daraus muss eine solide Finanzpolitik aus einem Guss folgen. Was ist das für ein Weg vom Studienrat zum Finanzminister? Ich hätte auch noch einen anderen Beruf haben können, nämlich Architekt. Ich wollte einen ganz normalen Beruf haben, um nicht auf Gedeih und Verderb an die Politik gebunden zu sein. Alles andere ergab sich aus meinen anderen Ämtern. Insgesamt hat vom Studium bis heute „learning by doing“ eine große Rolle gespielt. Wo tanken Sie persönlich auf, was gibt Ihnen Kraft für Ihre Arbeit? Arbeit ist ja in der Regel nicht unangenehm, im Gegenteil. Die Entscheidungen, die man mit den engsten Mitarbeitern sehr kollegial trifft, sind immer ein Lernprozess, wenn von den Fachleuten die verschiedenen Perspektiven beigetragen werden. Das macht trotz manchem Stress viel Freude und setzen nur die Bereitschaft voraus, auf neue Sachverhalte auch neu zu reagieren und das Wissen, das andere haben, aufzunehmen. Und die Musik? Sie spielen ja Klavier und Cello... Das kommt leider gewaltig zu kurz, aber es bleiben andere Sachen. Krimis sind zum Beispiel eine Leidenschaft, die geblieben ist - oder auch die Leidenschaft für Architektur und für Städtebau. Beim Umzug von Kassel nach Wiesbaden kam dazu natürlich noch der Wandel vom gelernten Biertrinker zum bekennenden Weintrinker. Das muss man zwar nicht übertreiben, aber man muss es genießen. Wie kann es passieren, dass im Grundgesetz festgeschriebene Werte - wie etwa der Schutz der Familie - so unter die Räder kommen, dass sie ein Gericht geraderücken muss? ** Weil es offensichtlich sehr starke Lobbys gibt, aber keine für die Familie. Dass Wirtschaftsinteressen eine stärkere Lobby haben, ist eher die Regel. Es gibt ein Risiko für junge Leute, die vergleichsweise niedrige Einkommen haben, wenn sie Kinder bekommen und eine Familie gründen. Dagegen muss man systematisch etwas tun. Zum Beispiel haben wir das Kindergeld heraufgesetzt und bei der Steuerreform einen Schwerpunkt bei der Entlastung der unteren Einkommen gelegt. Und solche Wege muss man systematisch weitergehen... Die finanzpolitischen Entscheidungen scheinen nicht in den zuständigen Gremien getroffen werden, sondern im Wesentlichen abhängen von Lobbyisten-Einflüssen. Was gedeutet das für das Bemühen, Partner ins Boot zu bekommen, die mehr für die Familie tun? Es ist immerhin gut, das die Lobbyarbeit auf offener Bühne stattfindet. Ich weiß nicht ob es uns gelingen wird, eine richtig starke Lobby für die Familie aufzubauen. Was uns aber gelingen wird ist, eine offene Diskussion darüber zu bekommen, was eine zukunftsfähige Politik ist und was nicht. Ich bekomme breite Zustimmung aus der Bevölkerung zu meiner Entscheidung, die Einnahmen aus der UMTS-Versteigerung ausschließlich zur Schuldentilgung einzusetzen. Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik heißt ganz einfach: ‘Du kannst nicht mehr ausgeben als du hast’ und ‘Du musst für die Zukunft vorsorgen’ Gibt es Vorbilder für Sie? Damit bin ich sehr zurückhaltend. Ich finde, es gibt eine Menge imponierender Menschen. Vorbilder sind für mich solche Leute, die sehen, was rechts und links von ihnen passiert. Für Hilfsbereitschaft gibt es viele Vorbilder ohne große Namen. Wenn Sie mit Vorbildern zurückhaltend sind – wie schaut es denn mit Visionen aus? Das große Projekt am Beginn des 21 Jahrhundert ist, einen friedlichen europäischen Kontinent zu bauen. Das geht schon zurück auf das große emotionale Engagement vor allem der jungen Leute in den fünfziger Jahren. Es sind Grenzzäune in Europa niedergelegt worden, es sind viele Partnerschaften zwischen Gemeinden, Vereinen und Schulen entstanden. Das ist genau das, was im Russischen so schön die „Diplomatie des Volkes“ genannt wird. Meine Vision ist, dass dieser friedliche Kontinent seinen Einfluss auf eine friedliche und gerechte Weltordnung geltend macht. Sie haben den Ruf, immer bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma korrekt zu sein. Macht der Perfektionist Eichel auch Fehler? Auch ich mühe mich nach Kräften, sie zu vermeiden. Es ist eine Frage von Handwerk, dass man in der Politik vorher überlegt, welche Folgen eine Entscheidung hat. J. Rainer Didszuweit / Jörn Dietze ** Das Bundesverfassungsgericht entschied 1999, dass bestimmte Vergünstigungen, die nur Alleinerziehenden zustanden, auch zusammenlebenden Eheleuten zugute kommen müssen
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