Das Magazin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Joseph Beuys

Kaum ein anderer Künstler dieses Jahrhunderts hat mehr Diskussionen über sein Werk ausgelöst, als Joseph Beuys (1921-1986). In der Fachwelt ist längst unbestritten, dass er einer der wichtigsten und prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts ist – doch gerade im deutschsprachigen Raum stehen viele Menschen seinem Werk noch immer kritisch oder sogar ablehnend gegenüber.

Dass sich viele Menschen mit Beuys so schwer tun, hat zwei Gründe:

Erstens hat Beuys ungewöhnliche Materialien und Kunsttechniken eingeführt. Einfacher Filz, pures Fett, Wachs, Kupferplatten, sogar Tierknochen. Das soll Kunst sein? Aber auch Beuys-Aktionen, zum Beispiel mit Filz-Postkarten, fanden oft kein Verständnis.

Zweitens hat Beuys einen Satz geprägt, der wie kaum ein anderer Satz in der Kunstgeschichte mißverstanden und falsch ausgelegt worden ist. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, hat er gesagt – eine Absage an eine elitäre Kunst, in der nur große Namen und gewohnte Techniken gelten. Ausgelegt hat man Beuys diesen Satz aber oft als Aufforderung an die Beliebigkeit: „Was der kann, kann ich auch – und das soll Kunst sein?“

Vielen von Beuys Werken kann man schon durch seine Lebensgeschichte näher kommen. Geboren 1921 war er im 2. Weltkrieg Pilot eines Sturzkampfbombers (Stuka). Über der Krim wurde er 1944 abgeschossen, und schwer verwundet. Tataren haben ihn am Leben gehalten, erzählt er später. In Filzdecken gewickelt hat er Tage zwischen Leben und Tod durchgemacht, gewärmt und ernährt von tierischem Fett – für ihn neben Honig später ein Symbol für (Lebens-)Energie. Von seinem Absturz hat Beuys lebenslang eine Metallplatte im Schädel zurückbehalten – und den Hang zu Filzhüten, die er fast immer trug.

Nach dem Krieg erhält er nach Studium und Ausbildung eine Professur für „monumentale Bildhauerei“ an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf . Dort gibt es immer wieder Ärger, vor allem, weil Beuys die Kunst über formale Regeln der Akademie stellt. 1972 wurde Joseph Beuys deshalb entlassen – und damit endgültig zum „Märtyrer der Kunst“.

Politisch engagiert er sich Anfang der 80er Jahre bei den Grünen, kandiert (erfolglos) für den Bundestag und gestaltet Plakate für die Partei.

Streng katholisch ist Joseph Beuys erzogen worden – eine Tatsache, die sich auch in seinem Werk wiederspiegelt, auch wenn das erst mal gar nicht religiös ist. Er hat sich bemüht, „das Religiöse zugunsten des Spirituellen zu exorzisieren“, sagt ein Beuys-Kenner. Und spirituell sind seine Werke allemal.

Beuys hat seinen eigenen Kreuzweg geschaffen, religiöse Themen immer wieder aufgegriffen, er wollte selbst ein „Schamane“ sein. Viele Kritiker von Beuys ziehen als Vergleiche zu seinem Werk und seinem Leben Motive des Neuen Testaments heran: Der Flugzeugabsturz als „Fall auf dem Weg nach Damaskus“, die Zeit bei den Tataren als „Auferstehung“.

Zu den bekanntesten Werken von Joseph Beuys gehören, neben zahlreichen Fotografien von Kunst-Aktionen, der „Stuhl mit Fett, 1963“ (Block Beuys, Hessisches Landesmuseum Darmstadt) ), „Kreuzigung, 1962-63“ (Staatsgalerie Stuttgart), „Filzanzug, 1970“, „Infiltration Homogen für Konzertflügel, 1966“ (Ein Konzertflügel, überzogen mit Filz, Centre Pompidou, Paris und der gesamte „Block Beuys“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Holger Schmidt

Links:

Überblick über Joseph Beuys, gestaltet vom Immanuel- Kant-Gymnasiums, Münster

Joseph Beuys Archiv im Schloß Moyland

Beuy Block im Hessisches Landesmuseum Darmstadt

 

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