Bilder von Gott...

Bilder von Gott gehören zu meinem Leben. Ich brauche Bilder um mich zu orientieren. Sie ermöglichen mir, einen Menschen anzusehen, der nicht da ist, den ich nicht berühren kann. Es ist trostlos keine Bilder zu haben. Das gilt auch für mein Verhältnis zu Gott. Ich brauche Anhaltspunkte, ein Gegenüber, mit dem ich in Kontakt treten kann. Bilder von Gott existieren in meinem Kopf, doch ich begegne ihnen auch im Alltag, in Kunstwerken, Musik oder Worten, nicht nur in Kirchen.

Bilder von Gott drücken meinen Glauben aus. Die Bibel ist voll von ihnen. In den Psalmen des Alten Testaments haben Menschen in eindrucksvollen Bildern beschrieben, wie sie Gott in ihrer Situation erlebten. Sie "wandern durchs dürre Tal" und Gott "bereitet ihnen einen Tisch im Angesicht ihrer Feinde", "salbt ihr Haupt mit ÖÏ und "schenkt ihnen voll ein" (Psalm 23). Auch Jesus hat durch Bilder seine Botschaft mit dem Alltag der Menschen in Verbindung gebracht.

Bilder von Gott können täuschen. Aaron macht Gott ein goldenes Kalb, ein Standbild, mit dem er Gottes Nähe konservieren will (2. Mose 32). Doch gegen so etwas wehrt sich Gott: "Du sollst dir kein Bildnis machen"

(2. Mose 20,4). Das zweite Gebot setzt Hochglanzbildern Grenzen, denn sie verführen, sich nur noch der Momentaufnahme hingeben und Veränderungen ausklammern zu wollen. Dann werden sie inhaltsleere Traumbilder, Fluchten in die Vergangenheit oder eine heile Welt.

Bilder von Gott fordern mich heraus. Sie können ein Ärgernis sein, wenn sie von meinen gewohnten Vorstellungen abweichen, tun weh, wenn sie mich unsanft aus meiner kuscheligen Ecke reißen. Sie erschrecken mich, wenn sie die unbequeme Seite von Gott zeigen Ò ein Gott, der zornig ist, der leidet für mich und an mir. Bilder von Gott erschließen, wie das Leben noch ist, weitab meiner kleinen behüteten Welt. Sie zeigen mir, wie unterschiedlich Gott sich offenbart. Bilder von Gott sind Gleichnisse für das Leben.

Bilder von Gott erklären mir die Menschen; "Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbilde" (1. Mose 1, 27). Habe ich mein Bild von Gott ein für alle Mal festgelegt, sehe ich auch meine Mitmenschen eindimensional. Ich betrachte sie nur von der Seite, die ich sehen möchte. "Du hast dich gar nicht verändert", sagen manche, wenn sie mich nach langer Zeit treffen.. Das fordert meinen Protest heraus, weil ich merke, dass mein Gegenüber etwas Entscheidendes nicht wahrnimmt. Ist mein Bild von Gott offen für Veränderungen, entdecke ich, dass auch ein Mensch nicht für alle Zeit in ein festgelegtes Konzept passt.

Bilder von Gott können Räume aufschließen. Wie in einem abstrakten Gemälde erkenne ich manches erst mit der Zeit. Bilder von Gott machen mich staunen, lassen erahnen, dass Gott mehr ist als ich kurzfristig mit meinen Sinnen erhaschen kann, blicken über das Leben auf Erden hinaus. Wie Menschen in einem Kunstwerk ganz Unterschiedliches erkennen, haben sie verschiedene Zugänge, spezielle Erfahrungen mit Gott. Wenn ich das als Reichtum begreife, kann ich auch fremde Bilder neben meinen eigenen stehen lassen Ò selbst wenn ich sie nicht verstehe.

Jörn Dietze