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Schmidt-Marmagen weiß um das Geheimnis, das ihn und seine Brüder umgibt. “Als die Freimaurer entstanden, waren alle Formen von Geheimnissen wie Geheimbünde und Geheimschriften modern. Ich denke, wir haben da ein bisschen zu viel von abbekommen.” Hervorgegangen ist die Freimaurerei aus Verbindungen der Steinmetze, deren englische Werkstätten seit 1278 als „lodge“ (Loge) bezeichnet werden. Auch mit der Errichtung von Domen beschäftigt, entstand 1717 durch einen Zusammenschluß von vier solcher Logen in London die erste Großloge, der seit 1725 die Verbreitung der Freimaurer weltweit folgte. In Ihnen waren handfeste und ständig zur Kritik an den katholischen Kirchenfürsten aufgelegte Mannsbilder organisiert, die Schmidt-Marmagen gerne “Dombaumeister” nennt. Als immer mehr Bürger in die Bünde dieser aufgeklärten Christen eintraten, verwandelten diese sich in “Aufklärungsgesellschaften”, so der Innsbrucker Geschichtsprofessor und Freimaurer Helmut Reinalter. Dass die Versammlungen geheim waren, hatte einen einfachen Grund: Nur in diesem Schutzraum ließ sich offen über die Missstände der Zeit schimpfen. Liberal, überwiegend christlich und kosmopolitisch wie sie waren, verbreiteten die Logen sich rasch in Europa: Goethe, Haydn, Lessing und Mozart gehören zur Ahnenreihe. In den Logen wurden die geistigen Grundlagen der französischen Revolution und der amerikanischen Verfassung geschaffen. Nach politischer Macht strebten die Freimaurer nie: Ihr Ziel war und ist das Streben nach Selbstvervollkommnung ihrer Mitglieder, etwa durch Toleranz und das Bemühen um gemeinsame Wahrheitssuche. Doch durch das Geheimnis, das sie um die Namen ihrer lebenden Mitglieder und ihre Rituale machten, waren sie anfällig für Verschwörungstheorien. So hatte die Propaganda der Nazis es leicht, den Deutschen das Bild von der wühlenden Macht der Freimaurer einzuimpfen, das heute noch nachklingt. In Berlin treffen sich die Logenbrüder wöchentlich in ihrem Haustempel: Einem mit blauen Samt ausgeschlagenen Raum, der mit Kerzen und golden blinkenden Symbolen geschmückt ist. Eröffnungs- und Schlussrituale schließen den Vortrag eines Bruders ein, der sich meist mit freimaurerischen Themen wie der Symbolik oder dem “Dienen” und der “Bruderliebe” befasst. In Deutschland zelebrieren heute noch etwa 10.000 Freimaurer* diese Tempelarbeit. Doch den über 400 Logen fällt es schwer, junge Leute zu begeistern. Mystische Rituale sind wenig gefragt, und Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung finden sie dort trotz des großen geistigen Erbes kaum. “So wie die Kirchen verlieren auch die Freimaurer an Anziehungskraft”, sagt der Abgeordnete Landesgroßmeister Schmidt-Marmagen. Viele Freimaurer wollen daher die traditionellen Strukturen erneuern. Sogar über die Anerkennung von Frauenlogen wird inzwischen nachgedacht. Marcus Franken |