Pro:
Dr. Christian Bartelt, 68, Rechtsanwalt aus Wiesbaden war 12 Jahre
Mitglied der Synode der Evangelischen
Kirche in Hessen und Nassau
(EKHN). Vorher war er fast 14 Jahre in der CDU-Fraktion des Hessischen
Landtags. |
Contra:
Prof. Dr. Micha Brumlik, 52, Professor für Erziehungswissenschaften
an der Universität
Heidelberg
und seit 1989 Stadtverordneter der Grünen in Frankfurt am Main.
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Nationalbewusstsein
gehört zum Sozialisationsprozess eines Menschen, zur Entwicklung
einer eigenen Identität und zur Ausdifferenzierung einer Persönlichkeit.
Es beinhaltet sowohl Stolz als auch Scham für sein eigenes Volk.
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Für
die Identität eines Menschen ist nicht alleine die ethnische Herkunft
bestimmend, sondern Werte wie zum Beispiel Demokratie. Es ist nicht
zeitgemäß, auf etwas stolz zu sein, oder sich auch für etwas zu
schämen, das man sich nicht selbst erarbeitet hat.
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Alle
Menschen neigen dazu, sich zu einer bestimmten Gruppe zugehörig
zu fühlen, und sich damit auch gegenüber anderen abzugrenzen. Das
ist ganz natürlich. Entscheidend dabei ist jedoch, Toleranz gegenüber
anderen zu erlernen und zu praktizieren.
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Eine
multikulturelle Gesellschaft, in der sich einzelne ethnische Gruppen
nach Möglichkeit nicht voneinander abgrenzen, ist eine große
Chance. Junge Menschen werden mit verschiedenen Lebensweisen konfrontiert
und lernen sie ganz natürlich kennen. Das ist wichtig für den Selbstfindungsprozess
des Einzelnen.
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Nationalbewusstsein
wird oft unberechtigt mit politischem Rechtsradikalismus in einen
Topf geworfen. Die gebotenen Schuldgefühle von uns Deutschen werden
leider aber auch missbraucht, um politisch einseitig zu argumentieren
und/oder politische und finanzielle Interessen durchzusetzen.
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Wo
sich Nation über ethnisch-kulturelle Herkunft definiert, sind die
Übergänge zum Rechtsradikalismus fließend. Medien und Politiker
sind da nicht wachsam genug. Das zeigen Äußerungen von weiten Teilen
der CDU zum Staatsbürgerschaftsrecht oder auch der Bundeskanzler,
wenn er die Interessen der deutschen Industrie vor die der Zwangsarbeiter
im Dritten Reich stellt.
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Gerade
Christen können sich nicht gegen ein Nationalbewusstsein wenden.
Glaube hat immer auch mit der Identifikation mit bestimmten Orten
und Formen des Gemeindelebens zu tun. Ohne Kirchenlieder in deutscher
Sprache wie etwa von Paul Gerhard hätten sich hierzulande religiöse
Gefühle nie so stark entwickeln können.
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Religion
ist eine Privatangelegenheit und hat mit Nationalbewusstsein nichts
zu tun. Wo beides zusammenfließt, wie teilweise auch im deutschen
System, fördert dies Abgrenzung und verhindert Integration. In anderen
Ländern wie Frankreich oder den USA herrscht dagegen eine viel größere
Offenheit für andere Religionen.
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