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Michaele Scherenberg und Karl-Heinz Stier moderieren seit 15 Jahren „Hessen a la carte“ - laut einer repräsentativen Befragung die bekannteste Sendung des
Hessen-Fernsehens nach der Hessenschau. ECHT sprach mit den beiden Feinschmeckern über ihr Verständnis von Heimat
? Was hat Essen und Trinken für Sie mit Heimat zu tun?
Scherenberg: Das ist genauso ein Kulturgut wie alte Bauten. Liebe zur Heimat geht immer auch durch den Magen. Dass bei uns keine Spitzenköche kochen, sondern Landfrauen, macht die Beliebtheit der Sendung aus. ? Fühlen Sie sich auch von typischen Stadtmenschen ernst genommen?
Stier: Früher hat man in der Stadt über das Land gelächelt. Heute
sehe
ich den umgekehrten Trend: Die Leute kommen raus aus ihren Betonburgen
und suchen die Emotionalität auf dem Land, zum Beispiel Volksfeste, die
nicht aufgesetzt und kommerziell sind.
Scherenberg:
Auf dem Land gibt es ein neues Selbstbewußtsein. Da wird auch wieder ganz bewusst Dialekt gesprochen. Durch die Fastnacht beispielsweise ist Mundart doch oft nur lächerlich
gemacht worden und gilt daher in der Stadt immer noch als primitiv. Heute jedoch wird den Leuten wieder klar, dass man hochdeutsch lernen kann, einen Dialekt aber nicht. ? Wie entgegnen Sie Vorwürfen, Ihre Sendung sei Deutschtümelei? Stier:
Deutschtümelei hat absolut nichts mit Heimat zu tun. Der Heimatbegriff ist oft mißbraucht worden, vor allem im Dritten Reich. Heimat kann aber nie von oben verordnet werden. Sie bedeutet
immer Mitwirkung von Gleichen unter Gleichen Scherenberg: Mit unserer Sendung wollen wir nicht nur etwas zeigen, sondern Menschen
aktivieren, etwas in ihrem Umfeld zu tun. Die Wehrhaftigkeit der Menschen zum Beispiel ist um so höher, je besser sie ihre Heimat kennen. Denn bewahren kann man nur, was man auch liebt. ? Erreichen Sie mit dieser Botschaft auch junge Leute? Stier:
Es wird oft unterstellt, Jugendliche würden sich nicht für ihre Heimat interessieren. Das stimmt nicht. Auf dem Land konsumieren Jugendliche viel weniger als in der Stadt und
sind aktiver - in Vereinen oder Musikgruppen. Scherenberg: Heimatverbundenheit bedeutet ja nicht nur, in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch neue Formen kultureller Art zu entwickeln, die typisch für einen
bestimmten Ort sind und ihm ein eigenes Gepräge geben. Jörn Dietze
Link zu Hessen a la carte
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