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„...und
die Gerechtigkeit schreitet voran“ Pamela, die 17-Jährige aus Ghana, hat für heute Schulschluss. Kommt in die Küche in der Hamburger Fabriciusstraße 56, gießt sich einen Tee auf, lässt sich müde auf einen Stuhl fallen. Ein bisschen plaudern mit Ute Andresen, das ist jetzt das Richtige. Ute, im Halbtags-Job evangelische Pastorin, schält Zwiebeln, denn sie ist heute mit Kochen an der Reihe. Käsespätzle soll es geben für die derzeit zwölf Hausbewohner. „Auch einen Tee?“ Gern. Erst danach die Hausaufgaben. Alltag bei Brot & Rosen: Für Pamela ist das Leben in der Hausgemeinschaft „wie ein Geschenk“. Vor ein paar Monaten sah alles noch finster aus: Sie stand von heute auf morgen auf der Straße, hatte es beim Vater und der Stiefmutter nicht mehr ausgehalten, war verzweifelt und allein in der Großstadt Hamburg. Irgendwie kam sie bei Brot & Rosen unter, „sofort“, betont sie. „Das war wie..., wie ein Traum.“ Sagt es und staunt noch immer. Brot und Rosen braucht der Mensch, lautet die Verheißung im Hamburger Haus christlich inspirierter Gastfreundschaft. Das Brot steht für die Grundversorgung, das Nötigste, „die Menschenrechte“, wie Gründungsmitglied Jens Schild sagt. Die Rosen meinen Zuneigung, Fürsorge, sich umeinander kümmern. So ähnlich wie es bei Jesaja zu lesen ist: Wenn du mit den Hungernden dein Brot teilst und die Armen aufnimmst, geht in der Dunkelheit ein Licht auf, und die Gerechtigkeit schreitet voran. Meist haben die sechs festen Gemeinschaftsmitglieder fünf bis acht Flüchtlinge zu Gast, Kurden und Rumänen, Menschen aus Sierra Leone, Ruanda. Was die Gäste verbindet? „Alle sind in Not, ohne Obdach und aus dem Hilfesystem rausgeflogen.“ Eine Lage, in die Flüchtlinge angesichts des verschärften Asylrechts schnell geraten. Manche von ihnen müssen nur Tage überbrücken, andere bleiben Jahre: wie Christina aus Nigeria, deren schwere Verbrennungen in Deutschland operiert werden mussten. Als ihr Körper langsam heilte, bekam sie nur noch befristete „Duldungen“ in ihren Pass gestempelt. Mit der Angst, abgeschoben zu werden, wuchsen die Herzbeschwerden. Vor ein paar Monaten starb sie an Herzversagen. Brot und Rosen - und nicht mehr: Auch der einfache Lebensstil ist ein tragender Pfeiler der Gemeinschaft. Die sechs festen Mitglieder haben sich verpflichtet, nicht mehr als 20-Stunden-Jobs anzunehmen, um Zeit zu haben für ihre Gemeinschaft. Was sie verdienen, fließt in einen gemeinsamen Topf: das Dozentengehalt ebenso wie der Lohn für den Aushilfsjob oder das Arbeitslosengeld. Jeder bekommt Taschengeld knapp über dem Sozialhilfeniveau. Spenden für die Flüchtlinge ergänzen die Kasse. In Jens’ Augen ist die Einkommensgemeinschaft „der Kern überhaupt. Sie setzt Kräfte frei für unser Projekt, die wir bei einem Fulltime-Beruf nicht hätten.“ Mit ihr setzen die sechs einen Kontrapunkt gegen das, was sie um sich herum erleben: zunehmende Isolierung und Leistungsorientierung, „industrielle Zertrennung der Lebensbereiche in Wohnen hier, Arbeit da.“ Bringen sie Opfer? Nicht mehr als andere, meint Jens Schild und wundert sich, „dass soviel Heldenhaftes in uns hineininterpretiert wird.“ Und Christiane Danowski, Gründungsmitglied und gelernte Germanistin, kann sich „überhaupt nicht vorstellen, anderswo besser aufgehoben zu sein.“
Bleibt ein bislang unerfüllter Wunsch der Gemeinschaft: Brot & Rosen möchte wachsen, denn „wir wollen ja gesellschaftlich etwas verändern.“ Freiwillige, die für einige Monate das Leben in der Fabriciusstraße ausprobieren wollen, sind da gern gesehen. Auf ein neues Mitglied war Brot & Rosen in den letzten Monaten schon gespannt: Uta und Dietrich Gerstner, die als Paar in der Gemeinschaft leben, erwarteten ein Baby. Ursula
Rüssmann
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