echt Glaube

Taufe – für immer und einfach so

 

Es gibt Kinder, die schreien wie am Spieß. Andere sind ganz still und gefasst. Was hier passiert, verstehen sie alle noch nicht. Und auch viele der Umstehenden haben nur eine vage Vorstellung. Da wird Wasser ausgegossen und eine Formel gesprochen. „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Und was heißt das jetzt? Gott gibt dem Täufling die Zusage seiner Gegenwart und Liebe. Für immer und immer. Ohne Voraussetzungen. Einfach so. Der Täufling ist angenommen von Gott. Die Taufe zeigt die Gnade Gottes, sagen Theologen, sie schenkt das Heil: Gott vergibt den Menschen ihre Sünden und verspricht ihnen ewiges Leben.

Den Täufling hat bis jetzt noch keiner gefragt, ob er das Heil will. Er kann ja noch nichts sagen. Aber die Patin hat auf das Angebot Gottes mit „ja“ geantwortet, hat stellvertretend für ihr Patenkind ein Glaubens-bekenntnis gesprochen. Eines Tages soll es selbst „ja“ sagen, Gottes Zusage annehmen und ihm vertrauen. Deshalb erwartet die Kirche von den Eltern und Paten, dass sie das Kind christlich erziehen, damit es später den Glauben verstehen kann. Auch Paten müssen aus diesem Grunde einer christlichen Kirche angehören.

Das Element Wasser steht in vielen Religionen für eine lebendige, reinigende, verwandelnde Kraft, aber auch für Zerstörung. Das Benetzen des Täuflings symbolisiert Leben und Tod, und auch Jesu Tod und Auferstehung.

Tatsächlich bedeutet die Taufe auch: Der Getaufte ist jetzt aufgenommen in die Gemeinschaft der Kirche. Ab jetzt wird – so die getaufte Person ein Einkommen hat – Kirchensteuer fällig. Zwar kann man – gegenüber dem Staat – den Kirchenaustritt erklären. Die Taufe hingegen ist nicht ungeschehen zu machen. Denn das „Ja“ Gottes zum Menschen
gilt immer, auch wenn der Mensch nicht glaubt, nicht glauben kann. Von Luther heißt es, er habe, wenn er zweifelte, zwei Worte in Kreide auf seinen Holztisch gemalt: „Baptisatus sum“. Das bedeutet: Ich bin getauft.

 

Gabi-Marie Lampert



erschienen in echt, 4. Quartal 1999
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