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"Man
muß dem Leib viel Gutes tun...
damit die Seele Lust hat, in ihm zu wohnen", schrieb Theresia von Avila. Unser Autor suchte - mit seiner Frau - eine "Oase der Ruhe
und Erholung" auf und entspannte Leib und Seele in einem Thermalbad in Baden-Baden. Und stieß auf die Wurzeln unserer Badekultur: religiöse Rituale der Reinigung.
Wohlige Wärme umhüllt mich, öffnet die Poren. 54 Grad zeigt das Thermometer im Tepidarium, dem Aufwärmraum. Mein Blick streift über die bemalten
Wandfliesen: Reiher an einem Teich, zart-blaues Wasser. Ich schließe die Augen. Tief dringt die Wärme in mich ein, entspannt die Muskeln, meine Gedanken. "Die ganze Schwere des Alltags fällt von mir ab", sagt meine
Frau. Wir sind in einem römisch-irischen Dampfbad, einem im letzten Jahrhundert erbauten Thermalbad mit Marmorböden, Säulen, Stuckdecken und einer goldverzierten Kuppel. Ein Badetempel.
Bäder haben ihre Ursprünge in kultischen
Reinigungsritualen. Wasser, das Symbol des Lebens, gilt in den meisten Kulturen und Religionen als reinigende und heilige Kraft. In den Hammams zum Beispiel, den orientalischen Badehäuser, konnten
auch diejenigen ihre rituellen Waschungen vornehmen, die kein eigenes Bad hatten. Heute sind Hammams auch beliebte Orte des gesellschaftlichen Lebens. Menschen treffen sich hier, tauschen sich aus,
pflegen Kontakte. "Fühl dich gut." Hierzulande profitieren Heilbäder und Thermen gerade von der Gesundheits- und Wellness-Bewegung. Sie sind in als Oasen der Ruhe und Erholung vom Alltagsstreß.
Heiße, feuchte Dämpfe quellen wellenartig aus einer dunklen Öffnung in der Wand. Mit anderen
sitze ich im feuchten Nebel auf einer Steinbank, atme tief die feuchte, salzig-erdige Luft ein. Der Dampf vermischt sich auf meiner Haut mit Schweiß, rinnt in Sturzbächen den Körper hinunter.
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Informationen zu Badekultur und
Reinigungsritualen
Der deutsche Bäderkalender listet Heilbäder alphabetisch, nach Region und nach Heilanzeige auf.
Informationen zum Thermalbad, das unser Autor
besucht hat, finden sich unter: www.baden-baden.com/ger/friedrichd.html
Kurze Informationen zur Geschichte der Badekultur
bietet die Homepage des Heilwasserherstellers "Ensinger"
Literatur
Kiby Ulrika: Bäder und Badekultur in Orient und
Okzident. Antike bis Spätbarock, DUMONT Buchverlag, 1995 Die Autorin beschreibt die Badekultur aus kulturgeschichtlicher Sicht.
Lanz, Klaus: Das GREENPEACE Buch vom Wasser,
Naturbuch Verlag 1990 Das Greenapeacebuch enthält neben umfasenden Informationen zum Thema Wasser auch ein Kapitel zum Wasser als "Symbol der Verwandlung" und zum Heilwasser.
Sommer, Volker: Feste; Mythen, Rituale: Warum die
Völker feiern, GEO-Buch, 1992 Ein interessant zu lesendes Buch mit sehr gutem Bildmaterial über Feste und Rituale in Kulturen auf der ganzen Welt.
Recherche: Rainer Lange
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Heilwasser. Schon der griechische Arzt Hippokrates, der Vater der modernen Heilkunde, schätzte die heilende Wirkung heißer Quellen. Je
nach Zusammensetzung der Salze und Mineralien können sie Erkältungen vorbeugen, die Nerven beruhigen, bei Rheuma und Arthrose entspannen, die Durchblutung verbessern... Für Hippokrates war übrigens Krankheit Ausdruck
einer gestörten Beziehung zwischen Leib und Seele - und das Bad in heißen Quellen eine gute Therapie. Träge treibe ich im warmen Wasser dahin, lasse mich tragen. 36 Grad warm
ist das Thermalvolbad, "wie im Uterus", lacht meine Frau entspannt. "Toll" geht es ihr, "wie nach einer tiefen Reinigung. Alles, was ich nicht mehr brauchen kann, ist ausgeschieden."
Rein-Waschungen. Rituelle Waschungen in natürlichem Wasser - einer Quelle, in einem Fluß - gibt es in allen Religionen. Ist ein Mensch jüdischen Glaubens "unrein" geworden, etwa
durch Berührung eines Toten, wird er erst wieder "rein" durch das Band in der Mikwe, dem öffentlichen Ritualbad. Gläubige Moslems nehmen vor jedem Betreten der Moschee und vor jedem Gebet rituelle Waschungen vor und
Hindus pilgern an den heiligen Fluß Ganges, um sich mit seinem Wasser die Sünden abzuwaschen und die Seele zu reinigen.
Wasser verwandelt, erneuert, bringt Heil. Im christlichen Glauben reinigt das Übergießen mit Wasser bei der Taufe von der Sünde. Paulus
verglich das Taufbad mit einem symbolischen Sterben und dem Auferstehen zu neuem Leben. Wie neugeboren fühle ich mich, nachdem ich die im Prospekt versprochenen "sechzehn Schritte
zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden" hinter mir habe. Nun führt mich ein Bademeister in den abgedunkelten Ruhesaal. Auf einer Liege warten vorgewärmte Wolldecken auf mich. Ich werde in ein Tuch gehüllt und in die Decken
eingeschlagen, bis nur noch mein Kopf herausschaut. Mit geschlossenen Augen schwelge ich in Kindheitsträumen. Samstags nach dem wöchentlichen Bad, da hat meine Mutter mich immer in
eine großes, weiches Handtuch gewickelt und mich dann mit ihrem warmen Körper umschlossen. Ich fühle noch das Wiegen, wenn sie mich in ihren Armen hielt - und schlafe selig ein.
Rainer
Lange
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