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echt Glaube kompakt
Zerstörte
Die E-Mail war harsch im Ton. Sie hatte die gleiche Botschaft wie viele andere in jenen Tagen auch. Es sei ja wohl das Letzte, schrieb da jemand, dass in Hannover eine leibhaftige evangelische Bischöfin mit 1,6 Promille am Steuer ihres Autos erwischt worden sei. Jetzt reiche es: Damit habe nun endgültig die Evangelische Kirche bei ihm jede Glaubwürdigkeit verloren. Er werde aus der Kirche austreten. Mein Versuch einer Antwort scheiterte. Die auf der E-Mail angegebene Absenderadresse gab es nicht. Jemand wollte nur seinen Frust loswerden. Wochenlang ging die Sache durch alle Medien, meist auf der ersten Seite und je nach Stimmungslage mit Bedauern oder Empörung, Frust oder Häme. Ein Glück für Bischöfin Margot Käßmann, dass sie nach wenigen Tagen von allen ihren Ämtern zurücktrat. Die öffentliche Aufgeregtheit von wildfremden Menschen wäre noch lange weiter auf sie herniedergegangen. Denn wer oben ist, im Staat, in der Kirche oder in der Wirtschaft, der steht unter verschärfter Beobachtung. Fehler sind nicht gestattet. Man hat einfach allezeit ein Vorbild zu sein. Das schafft zwar im normalen Leben auch niemand, aber über den Wolken gelten andere Maßstäbe, besonders wenn man von unten schaut.
Diese Zeiten sind zum Glück weitgehend vorbei. Aber die andere Seite des Problems ist geblieben: die uralte Sehnsucht, Menschen mögen unter uns sein, an denen man erkennen kann, dass es Höheres gibt als die ewige Leier von gut gedacht und schlecht gemacht, von Schuld und Versagen, von gebrochenen guten Vorsätzen, vom Missmut über das eigene Ungenügen. Menschen mögen unter uns sein, die jene Rolle spielen, die wir selber nicht ausfüllen können. Wohin mit dem eigenen Frust? Dabei haben jene, die sich da auch öffentlich so lautstark empörten, leider etwas übersehen: Das Menschenbild der Bibel und der Glaube der Christen stützen weder Größenwahn über den Wolken noch Projektionen aus der Froschperspektive. Denn vor Gott sind alle Menschen gleich viel wert. Zwar gibt es verschiedene Aufgaben in einer Kirche und Menschen mit mehr und weniger Verantwortung. Aber es gibt nicht hoch und niedrig und vor allem nicht die Besseren oben und die weniger Guten weiter unten. Wer oben ist, braucht Gebete Joachim Schmidt
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erschienen
in echt, 2. Quartal 2010
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