echt Meinung

Arbeiten in der Stadt - leben auf dem Land?

Über 30 Millionen Menschen in Deutschland pendeln täglich zwischen ihrer Wohnung und ihrem Arbeitsplatz. Dabei nehmen viele von ihnen mehr als eine Stunde Fahrzeit in Kauf, um im Grünen leben zu können. Sind solche Idyllen für wenige Stunden den Stress und die Anstrengungen wert? Oder bietet nicht gerade die Großstadt mit ihren vielfältigen Angeboten einen attraktiven Lebensraum? echt hat nachgefragt.

 

proPro
Heiko Lange, 49, ist Diplomingenieur
und pendelte zwölf
Jahre täglich von Nordhessen
zu seinem Arbeitsplatz in
Frankfurt am Main.

Obwohl es auch sehr anstren- Obwohl es auch sehr anstren- 1gend war, habe ich es zu keiner Zeit bereut, zu meiner Arbeits- Zeit bereut, zu meiner Arbeits- 1stelle in Frankfurt zu pendeln. stelle in Frankfurt zu pendeln. Ausschlaggebend für mich ist Ausschlaggebend für mich ist der hohe Kontrast: In der Stadt herrscht eine absolute Schnelllebigkeit und es werden überall Ergebnisse erwartet. Hier auf dem Land dagegen herrscht viel Ruhe und ein gelassenerer Rhythmus. Ich kann die Seele baumeln lassen, um wieder Kraft zu schöpfen. Im Gegensatz zur Anonymität der Großstadt gibt es hier eine gute Dorfgemeinschaft, durch die man Unterstützung erfährt, wenn man sie benötigt.

Auch für meine Familie ist es ein Segen, auf dem Land zu leben. Segen, Vor allem die gute Luft und das viele Grün sorgen für eine hohe viele Grün sorgen für eine hohe Lebensqualität auch für Kinder. Lebensqualität auch für Kinder. Auf dem Land bekommt man noch hochwertigen Wohnraum und muss keine Horrorpreise bezahlen. Die gute Infrastruktur ist für uns kein Argument für ein Stadtleben. Im Gegenteil: Einkäufe oder Unternehmungen wie Ausflüge oder Kinobesuche in der Freizeit werden hier bewusster geplant. Man nimmt sich dafür die nötige Zeit und erlebt daher vieles auch bewusster.

Auch als Pendler kann man umweltbewusst handeln und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Dafür benötigt man jedoch eine hohe Selbstdisziplin. Zum Beispiel muss ich abends zeitig Beispiel muss ich abends zeitig ins Bett gehen, um morgens um ins Bett gehen, um morgens um 3halb vier wieder aufstehen zukönnen. Aber das ist mir die Sache immer wert gewesen. DieFahrt im Zug ist dabei für mich keine vertane Zeit: Ich habe Gelegenheit, die Zeitung oder ein gutes Buch zu lesen oder mich durch das Studium von Unterlagen auf den Arbeitstag vorzubereiten.

proContra
Sabrina Belz, 23, ist Bankkauffrau.
Sie lebt, arbeitet und studiert
in Frankfurt am Main.

Ich bin in einem kleinen Dorf mit Ich bin in einem kleinen Dorf mit 1400 Einwohnern Einwohnern aufgewachsen und wollte unbedingt in die Stadt. und wollte unbedingt in die Stadt. 1Dafür habe ich einen sicheren Job Dafür habe ich einen sicheren Job verlassen, den ich dort in einer verlassen, den ich dort in einer Bank hatte. Hier in der Stadt genieße ich die Anonymität. Die soziale Kontrolle ist nicht so stark und man kann herumlaufen, wie
man will. Man wird zwar angeschaut, aber es bleibt bei einem Blick und es geht nicht sofort das Getratsche los. Dennoch hat man die Möglichkeit, viele interessante Leute kennenzulernen. Wenn ich mal Kinder habe, kann ich auch hier in der Stadt in einen Stadtteil mit viel Grün ziehen, wo es noch bezahlbare Wohnungen gibt.

Leben viel flexibler gestalten. Ich komme mit Bus und U-Bahn Ich komme mit Bus und U-Bahn 2sehr schnell überall hin, kann sehr schnell überall hin, kann die vielfältigen Freizeit- und die vielfältigen Freizeit- und Kulturangebote nutzen. Ganz zu schweigen von den Einkaufsmöglichkeiten, die in der Stadt weitaus besser sind. Hier habe ich die Auswahl zwischen verschiedenen Produkten, kann Preise vergleichen und mich bewusst entscheiden. Auf dem Land muss man oftmals das nehmen, was gerade vorrätig ist.

Das Leben in der Stadt ist für mich ein Stück Freiheit, weil ich im Gegensatz zum Land vielerlei Wahlmöglichkeiten habe. Wenn ich will, kann ich zu Hause meine Ruhe haben, wenn ich Freunde treffen will, kann ich Freunde treffen will, kann ich mit ihnen zum Beispiel ganz spontan in ein Café oder auf die Partymeile gehen. Auf dem Land müsste ich dazu stundenlang mit dem Auto fahren. Insgesamt verursacht das Pendeln Staus und Verkehrschaos auf den Straßen. Und wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Frankfurt pendeln würde, wäre das für mich mit unglaublich viel sinnlos vergeudeter Zeit verbunden, denn ich müsste täglich mehr als zweieinhalb Stunden in Zügen und Bussen verbringen.

Aufgezeichnet von: Jörn Dietze


 

erschienen in echt, 4. Quartal 2009
Copyright by EKHN, Darmstadt
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