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echt Glaube
Mit himmlischen Pass auf der Erde zu Hause
Ein Zuhause braucht der Mensch. Mindestens eins. Manche haben auch zwei, wie der Schriftsteller Henning Mankell. Lebt das halbe Jahr in Schweden und das andere halbe Jahr in Mosambik. „Mit einem Fuß im Sand, mit dem anderen im Schnee“, nennt er das. Auch wer sich auf Dauer für ein anderes Land entschieden hat, etwa als Auswanderer, findet es möglicherweise attraktiv, noch eine verlässliche Verbindung in die alte Heimat zu halten. Viele Länder bieten darum ihren neuen Mitbürgern an, die frühere Staatsbürgerschaft zu behalten, wenn sie die neue annehmen. Aber macht das alles eigentlich Sinn? Muss man sich nicht doch entscheiden, weil man nur an einem Ort wirklich zu Hause sein kann? Wie kann jemand in zwei Ländern, sogar auf zwei Kontinenten gleichzeitig eine Heimat haben? Vielleicht geht es auch nicht wirklich um eine zweite Heimat. Manchmal hilft es, noch einer anderen Gemeinschaft anzugehören, sich auf einen anderen Zusammenhang berufen zu können. Der Apostel Paulus hat, wenn er unterwegs Schwierigkeiten bekam, darauf hingewiesen, dass er römischer Bürger war. So zumindest erzählt es der Evangelist Lukas. Denn für einen Bürger des römischen Reiches gab es bestimmte Rechte, die ihm mehr halfen als die Tatsache, dass er ein Bürgerrecht im Himmel Noch wichtiger aber als der römische Pass war für Paulus etwas anderes. „Unser Bürgerrecht ist im Himmel!“, schreibt er in einem Brief. Paulus sagt damit, dass Christen eine Art doppelter Staatsbürgerschaft haben. Mit einem Fuß auf der Erde und mit dem anderen im Himmel. Wobei das natürlich nicht ein Spagat bis hinter die Wolken ist. Das himmlische Bürgerrecht kann in unmittelbarer Nähe von uns in Anspruch genommen werden. Denn „das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, sagt Jesus. Dass wir im Himmel ein Bürgerrecht haben, ist schon von vielen falsch verstanden worden. Sie haben sich davor gehütet, sich die Erde zu sehr zur Heimat zu machen und das Leben zu sehr zu lieben. Aber die Erde ist und bleibt unsere Heimat, auch wenn Gott uns einen himmlischen Pass ausstellt. Schöne Heimat Erde „So schön wie hier, kann’s im Himmel gar nicht sein!“ Der Theatermann Christoph Schlingensief sagt das. Krebskrank und das mögliche Sterben vor Augen, denkt er über den Himmel und die Erde nach und wo er sein Zuhause hat. Er lotet aus, wie viel ihm das Leben bedeutet und wie sehr er andere Menschen und ihre Liebe braucht. Todkrank weiß er deutlicher als in den gesunden Zeiten, wie wunderbar es ist, hier zu sein. Himmel? Jenseits? Ewigkeit? „So schön wie hier, kann’s im Himmel gar nicht sein!“ Das Bürgerrecht im Himmel will mir nicht die Heimat auf der Erde madig machen. Hier bin ich wirklich und mit allen Sinnen zu Hause. Ich bin ein Kind dieser Erde, das sich entwickeln kann und wachsen darf und schließlich den eigenen Weg durch diese wunderbare Welt geht. Ein neuer Blick aufs Leben Und trotzdem: Auf dieses andere Bürgerrecht, das mich zugleich zum Kind des Himmels macht, werde ich nie verzichten. Weil es mich über den endlichen Horizont hinaus schauen lässt. Die himmlischen Bürgerrechte halten die Sehnsucht wach nach einem Platz, wo kein Schmerz und kein Tod mehr sind. Und die Verbindung zum Himmel nimmt der irdischen Heimat das Enge und Dunkle, das ein solches Zuhause ja auch haben kann. Der schwedische Schriftsteller Mankell, der die Hälfte seiner Zeit in Afrika verbringt, spricht von einer „doppelten Optik“, die er dadurch gewinnt. „Es ist, als hätte ich jetzt einen Beobachtungsturm in Europa und einen in Afrika. Dadurch erfasse ich die Welt deutlicher.“ So geht es auch denen, die ihr Bürgerrecht im Himmel kennen. Sie gewinnen einen anderen, neuen Blick auf ihr Leben und erfassen die Welt deutlicher. Sie sehen, dass das, was ist, längst noch nicht alles ist. Helwig Wegner-Nord
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erschienen
in echt, 4. Quartal 2009
Copyright by EKHN, Darmstadt |