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echt Familie
„Zuhause ist, wo man
Pia und Nils sind wie Pfannkuchen und Spinat. Er ist der Süße, sie die Pikante. Für ihre Mutter Anja war das nicht nur am Mittagstisch ein Problem. Die zwei sind auch sonst so verschieden, wie Geschwister nur sein können. Er ist der Denker. Der 17-Jährige ist gut in der Schule, zockt Computerspiele an einem Wochenende durch, kauft sich immer die dicken Bücher, damit sie länger halten. Sie ist die Verträumte. Ihr fliegt nicht alles zu. Erzählt sie eine Geschichte, verbessert der Bruder sie mit einem klugen Fremdwort. „Die konnten früher nicht zusammen auf dem Sofa sitzen“, sagt Anja Noll. Keine fünf Minuten und Pia und Nils haben sich gestritten.
Eine Patchwork-Familie kann manchmal mehr Möglichkeiten bieten, als wenn alle unter einem Dach wohnen. Auch wenn es sich eigentlich jeder anders gewünscht hat. Anja und ihr Exmann hatten lange nach der passenden Wohnung gesucht. Welcher Vermieter will schon ein Paar mit zwei Kindern und Hund? Aber nach einem Jahr in der verwinkelten Altbauwohnung mit der tollen Hausgemeinschaft war Schluss. Die Trennung war richtig, ist Anja überzeugt. Auch wenn vor allem Pia darunter gelitten hat. „Ich bin mit Veränderungen nicht gut klargekommen“, sagt die heute 16-Jährige. Eine Wohnung wird für sie erst durch ihre Bewohner zum Zuhause. Mit dem Vater ist ein Stück davon ausgezogen. Er hat ihr gefehlt, auch wenn er nicht aus der Welt war. Morgens am Frühstückstisch, abends beim Einschlafen. Und zwischendurch: Sie hat in der Grundschule viel verpasst, war mit ihren Gedanken meistens woanders. Und dann war da auch noch Ole, Anjas Freund. Ein paar Jahre nach der Trennung ist er eingezogen. „Zuhause ist da, wo man Fotos: Helen Knust sich wohlfühlt. Wo man immer auf Schutz hoffen darf“, sagt Pia. Ihr Zuhause war ihr plötzlich fremd geworden. Dabei war immer klar, dass Ole kein neuer Papa werden sollte. Aus Erziehungsfragen hält er sich raus, auch für die Gefühle ist eher Anja zuständig. Zeit wird kostbar
Auch im Unterricht läuft es bei ihr wieder besser. „Du kannst dich siezen lassen, du bist doch jetzt in der Oberstufe“, sagt Nils anerkennend. Dass Pia Abitur machen würde, war nicht selbstverständlich. Die beiden sind seit diesem Schuljahr wieder auf derselben Schule und sehen sich jeden Tag. Nils bringt seiner Schwester das Schulbrot mit, ein kleines Stück Frankfurter Zuhause. Der Vater und die Stiefmutter finden, Pia ist alt genug, sich selbst etwas einzupacken. Aber Anja ist an dieser Stelle gern Mutter. „Selbstständigkeit erkennt man nicht am geschmierten Schulbrot“, sagt sie. Und wie früher bekommt Pia Wurst und Nils Käse. Helen Knust
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erschienen
in echt, 4. Quartal 2009
Copyright by EKHN, Darmstadt |