Aus der Redaktion
Sicher kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, die vielfältigen Träume vom eigenen Dach über dem Kopf. Ob das nun ein schlüsselfertiges Reihenhaus ist, das in Eigenarbeit restaurierte Fachwerkhaus auf dem Land oder die exklusiv vom Architekten entworfene Wohnhöhle: Ein Haus ist in keinem Fall nur eine Sache mit hochgemauerten Wänden.
Unsere Behausungen und Wohnungen sind mehr als der Schutz vor den Unbilden des Wetters oder Ausdruck einer geografischen Vorliebe. Sie sind so etwas wie eine zweite Haut, geben Raum für Intimsphäre, eröffnen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, geben die Chance zum Rückzug und zur Gestaltung.
Uns beschäftigt in diesem Heft, was Menschen bewegt, die nicht diese geordnete tägliche Sphäre haben oder sie sogar bewusst verlassen oder auflösen. Wie zum Beispiel eine Teilnehmerin und einen Teilnehmer am Ökumenischen Freiwilligenprogramm, die für ein Jahr nach Indien und den Libanon gehen? Ihre Perspektive ist schnell beschrieben: ein einfaches Leben und kaum Privatsphäre.
Und was passiert, wenn sich Familien trennen, neu zusammenfinden? Wo ist da der Ort, an dem sich Kinder geborgen und sicher fühlen? Beim alten oder neuen Vater, dem Wochenendkinderzimmer oder im vertrauten Zuhause?
Mit welchen Gefühlen muss eine Tochter sich auseinandersetzen, die nach dem Tod der Mutter deren Wohnung auflöst und vor der bewegenden Aufgabe steht, ein ganzes Leben sortieren zu müssen?
Die Mauern unserer Häuser geben nicht nur Sicherheit und schaffen eine Grenze zwischen drinnen und draußen. Sie stellen auch Aufgaben, die „ans Eingemachte“
gehen. Insofern lohnt sich ein klarer und auch ein zweiter Blick auf Räume, deren Bedeutung man allzu leicht im Alltag übersehen kann.
Herzlich
Ihr
Rainer Didszuweit
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